1. STATION DER HELDINNENREISE: DIE GEWOHNTE WELT

Die erste Station der Heldinnenreise ist die gewohnte Welt. Mitten im Alltag beginnt unsere Reise. Gewohnheit und Routine geben hier den Ton an. Und eigentlich passt ja alles… Bis auf das subtile aber immer lauter werdende Gefühl, dass diese Welt dort eigentlich zu klein für uns geworden ist. Und irgendwo noch etwas ruft und danach drängt, gelebt zu werden.

 

Das Leben in der gewohnten Welt ist vorhersehbar. Mehr oder weniger läuft es nach einem gewissen Schema ab. Unsere Rollen und Aufgaben hier sind klar, wir tun was eben zu tun ist und haben ja eigentlich fast alles, was wir brauchen für ein gutes Leben. Fast.

Diese normale, gewohnte Welt spendet Geborgenheit und Sicherheit, und manchmal geht sie auch einher mit Langeweile, unerfüllten oder unterdrückten Sehnsüchten und einem leisen Geschmack davon, dass da doch eigentlich noch etwas anderes ruft und danach drängt, gelebt zu werden.

„Es geht mir ja eh gut“, „eigentlich ist doch alles eh super“ und ähnliche Äußerungen zeigen oftmals an, dass die gewohnte Welt trotz all ihrer Sicherheit und Bequemlichkeit begonnen hat, zu klein zu werden: Obgleich alles gut zu sein scheint… die kleinen aber wesentlichen Wörter „eh“ und „eigentlich“ weisen darauf hin, dass irgendetwas eigentlich nicht mehr passt. Etwas ist zu klein geworden. Wie eine Haut, aus der wir begonnen haben, herauszuwachsen. Immer sicht- und spürbarer wird es, dass das Alte nicht mehr passt – und das Neue jedoch noch nicht ganz da ist. Alte Selbstdefinitionen erweisen sich als nicht länger passend und unsere alten Rollen erfüllen uns nicht mehr mit Begeisterung und ausreichend Bedeutung. Vielleicht empfinden wir bei einigen Dingen nicht mehr die Lebendigkeit und Sinnhaftigkeit, die wir einmal verspürt hatten. Immer stärker schleicht sich die Erkenntnis ein, dass dieses Leben zu klein geworden ist. Und mit dieser Erkenntnis kommt die Einsicht, dass da draußen ein Leben auf uns wartet, das unserer eigentlichen Größe entspricht. Aber was und wo ist dieses Andere? Wie kommen wir dorthin? Und was passiert, wenn ich meine gewohnte Welt hinter mir lasse?

Wenn sich unsere bisherige Rolle oder die Definition unseres Selbst anfühlt wie eine zu klein gewordene Haut, gilt es sie abstreifen, sie hinter sich lassen. Was aber kommt stattdessen? Wer bin ich, wenn ich das nicht mehr bin? Woran kann ich mich festhalten, wenn ich das loslasse? Solche Zeiten sind Zeiten der Verwirrung, der Orientierungslosigkeit. Diese Fragen und Gefühle von Halt- und Orientierungslosigkeit erfüllen uns mit Angst. Ängstlich klammern wir uns an das Alte, obwohl wir wissen, dass es nicht mehr greift. Eine Weile können wir das tun uns uns vorgaukeln, es erfülle uns, „es passt ja eh“. Doch wenn ein Mensch wirklich erkannt hat, dass die Geschichte, die er bisher lebte, zu klein für ihn geworden ist – Dann ist es Zeit, aufzubrechen. Denn dann vernimmt dieser Mensch den Ruf zu, Abenteuer.

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