Die Arena betreten

„Einen Blog werde ich niemals schreiben!“ – Noch immer klingt diese Überzeugung in mir, während ich die ersten Zeilen meines ersten Blogartikels schreibe. Ein Buch, eine Doktorarbeit: Ja. Aber ein Blog? Niemals.

Und gerade deshalb beginne ich einen Blog zu schreiben.

Denn ich habe erkannt, wie ein Buch und eine Doktorarbeit im Grunde die Fortsetzung eines uralten Musters wären: Eines uralten Musters, das längst ausgedient hat. Mich in mein stilles Kämmerchen zurück zu ziehen und mich mit dem, was ich kreiere, erst dann zu zeigen wenn es fertig ist, wenn es perfekt ist – Dieses Muster habe ich schon als Kleinkind perfektioniert. Oft habe ich meinen Eltern gelauscht, wie sie über die schon früh erkennbaren Unterschiede zwischen mir und meinem Bruder erzählten: Die Strategie meines Bruders mit neu geschenkten Puzzles war folgende: Sofort ausprobieren. Wenns klappt wunderbar. Wenns nicht klappt: In die Ecke schleudern und erst nach ein paar Tagen wieder anschauen. Ich dagegen zog mich mit meinem neuen Puzzle in mein Zimmer zurück, machte die Türe hinter mir zu und kam erst wieder heraus, als ich das Puzzle gelöst habe.

30 Jahre später, gleiche Strategie. Nichts hat sich geändert. Oder doch?

Ich schaue mir dabei zu, wie ich noch zögerlich Schritte setze und Neuland betrete. Ich zeige mich in aller Unfertigkeit. Anstatt die nächsten drei Jahre über meiner Doktorarbeit im stillen Kämmerchen zu brüten beginne ich einen Blog, mache meine Gedanken sichtbar während sie noch im Prozess sind – Und mich damit verletzbar. Ich betrete die Arena.

Was mich inspiriert, diese Schritte zu setzen, ist folgendes Zitat, das ich in einem von Brené Browns wunderbaren Büchern gefunden habe:

Immer wieder schaue ich mir und anderen Menschen zu, wie wir mit dem, was uns am allerwichtigsten ist, am verletzlichsten zu sein scheinen. Wahrscheinlich würde es mir leichter fallen, hier mit einem Blog über Koch-Rezepte sichtbar zu werden. Doch das, was in meinem Innersten nach Außen drängt ist zugleich auch das, was in mir am meisten Perfektionismus und Schüchternheit auslöst.

Wieso ist das so? Und vor allem: Was brauchen wir – Jede und jeder Einzelne – um für das zu gehen, was uns wirklich wichtig ist? Um es zu erkennen, zu benennen, zu leben.

Der Blog ist eine Spurensuche über diese und andere Fragen. Ein Forschungsprozess rund um die Themen Berufsorientierung, Empowerment und Nachhaltigkeit. Über den Zauber und die Zartheit des Sich-Zeigens, über die Power und Verletzlichkeit, den eigenen Weg beherzt zu beschreiten. Über die Suche nach dem eigenen Platz in der Welt und über Antworten auf die Fragen, die sich uns auf dieser Suche stellen. Der Blog ist eine Kampfansage an die kollektiv erfahrene Orientierungslosigkeit unserer Generation, und er ist der Versuch, mehr und mehr Menschen zu inspirieren, die Zukunft in die Hand zu nehmen und sich ein Leben zu gestalten, das wirklich Sinn macht: Für uns selbst, und für unsere Mitwelt.

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