Die Angst vor der eigenen Größe

Was hält uns eigentlich zurück eigene Power in die Welt zu bringen? Die Angst vor der eigenen Größe trägt sicher dazu bei. Als 1,80m große Frau kenne ich diese Angst nur zu gut. Eine Forschungsreise, wie aus der Angst vor der eigenen Größe Lust an der eigenen Größe werden kann. 

Die subtilen Tricks großer Frauen

Als 1,80m große Frau habe ich vor allem eines gelernt: Mich klein zu machen. Schon mit 11 Jahren war ich 1,70m groß. Klassenkameraden nannten mich wahlweise Giraffe oder Godzilla. Und so habe ich schon früh die subtilen Tricks großer Frauen gelernt, um die eigene Größe zu verstecken: Ein dezenter Knick in der Hüfte, etwas eingerollte Schultern, und schon fällt es nicht mehr so auf wie groß ich eigentlich bin. Denn eine große Frau zu sein ist bedrohlich, unweiblich, erzeugt Unbehagen. Das habe ich lange gedacht.

Als ich mir das bewusst gemacht habe habe ich auch erkannt, dass es da nicht nur um meine äußere Größe geht, mit der ich mich oft nicht zu zeigen traue. So, wie ich Angst habe dass sich andere klein fühlen neben mir, wenn ich mich in meine ganze Körpergröße aufrichte, so habe ich auch Angst, dass sich Menschen klein fühlen, wenn ich mit meiner ganzen inneren Power da bin. Diese Power zu zeigen habe ich mich lange nur dort getraut, wo ich die „offizielle“ Erlaubnis dazu hatte: Etwa wenn ich eine Gruppe moderiert oder ein Seminar geleitet habe. Dort, wo ich offiziell groß sein durfte konnte ich endlich in ganzer Größe da sein – und genoss es zutiefst. Jedoch dort, wo ich diese Erlaubnis nicht von außen bekommen habe, sondern mir selbst hätte geben müssen – In den vielen kleinen Situationen im Alltag, dort traute ich mich nicht, mich ganz aufzurichten und mich wirklich mit der Power zu zeigen, die in mir steckt.

Königin sein unter Königinnen

Ich kann also ein gutes Lied davon singen wie das ist, nicht zur eigenen Größe zu stehen. Viel Größe bedeutet auch viel Angriffsfläche. Mich in meiner Kompetenz zu zeigen wird Neid und Eifersucht erwecken, gerade unter Frauen. Und Männer werden Angst kriegen, sie wollen ja ohnehin nur mit kleinen niedlichen ungefährlichen Frauen zusammensein. Diese und andere Geschichten habe ich mir jahrelang erzählt. Und langsam aber sicher merke ich, wie gut es ist, diese alten Geschichten loszulassen. Und wie spannend und schön es ist, mich in der Größe zu erleben und zu zeigen. Wie gut es meinem Körper tut, sich nicht mehr einzurollen, sondern auszudehnen. Und wie gut es meinem Wesen tut, mich nicht mehr kleinzumachen und abzuwerten, sondern stolz und liebevoll auf das zu blicken, was ich draufhabe. Auch durfte ich erfahren wie sehr meine Freundschaften davon profitieren, wenn wir und gegenseitig bewusst unterstützen, in die eigene Größe zu gehen und zu blühen. „Wir müssen lernen, Königin zu sein unter Königinnen“, nannte es meine Freundin Katya einmal. Gerade als Frauen ist es wichtig, die uralte Tendenz zu durchbrechen sich bedroht zu fühlen und einander ein Bein zu stellen, wenn eine Frau wirklich aufblüht. Stattdessen können wir es als Forschungsfeld sehen: Was macht das mit uns, wenn eine von uns sich wirklich aufrichtet und ausrichtet? Inwiefern ist es ein Hinweis, dass ich meine eigene Größe gerade nicht ganz leben, wenn das Erstarken einer Freundin in mir etwas unangenehmes auslöst? Kann ich es statt als Bedrohung auch als Einladung sehen? Wie kann ich die anderen mitnehmen und inspirieren in der Freude, die eigene Power in die Welt zu bringen? Wie können wir transparent damit umgehen, was es in uns auslöst wenn eine Frau stark, schön, erfolgreich ist – Und es dankbar als Inspiration sehen, nicht als Bedrohung oder Grund zur Abwertung. Die Lust an der eigenen Größe wurde auf diese Art zu einem Forschungs- und Experimentierfeld. Ein Feld, in dem Stärke und Schwäche, Kraft und Verletzlichkeit, Selbstvertrauen und Unsicherheit sehr nah beisammen sind. Und es geht darum, all diese Seiten zu leben.

Vierbeinige Lehrmeister

Wer mir außerdem wirklich geholfen hat, in meine ganze Größe und Power zu gehen, ist meine Hündin Luna und mein Hundetrainer. Beide haben mir erbarmungslos gespiegelt was passiert, wenn ich mich nicht in meiner Größe aufrichte, sondern klein bleibe: Luna tanzt mir auf der Nase herum und ich muss zum Rumpelstielzchen werden, damit sie auf mich hört. Durchatmen, Füße spüren, Brust raus, Körperspannung – Und schon ist sie neben mir, schaut mich erwartungsvoll an, was wir als nächstes tun. Und schon bin ich spannender, manchmal sogar als die vorbeihoppelnden Hasen.

Und was würdest DU tun, wenn du keine Angst vor deiner eigenen Größe hättest?

 

Finde es raus. Setze es um.
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