Die Angst dem eigenen Ruf zu folgen

Wenn wir spüren, dass uns etwas ruft und wenn wir merken, dass unser momentaner Zustand eigentlich zu klein für uns ist, dann heißt das noch lange nicht, dass wir uns auch tatsächlich in Bewegung setzen, dem Ruf zu folgen und etwas zu verändern. In meinem Artikel „Selbstsabotage oder die 9 besten Gründe, dem eigenen Ruf nicht zu folgen“ habe ich darüber geschrieben, welche Strategien wir uns einfallen lassen, um die bequeme Komfortzone des Alltagstrott nicht zu verlassen. In meinem Artikel „Die Angst vor der eigenen Größe“ habe ich darüber geschrieben, inwiefern es die Angst vor der eigenen Größe ist, die uns zurückhält. Heute soll es darum gehen, welche weiteren Ängste auftreten, wenn es darum geht, dem eigenen Ruf zu folgen. Eine Auswahl am kleinen Gruselkabinett der Ängste.

 

 

Die Angst vor dem Unbekannten

Dem eigenen Ruf zu folgen bedeutet immer auch ins Unbekannte zu steigen. Es bedeutet, den sicheren Hafen zu verlassen und Neuland zu betreten. Und es ist eine natürliche Schutzreaktion, dass unsere Aufmerksamkeit vor möglichen Gefahrenquellen steigt, wenn wir unbekanntes Territorium betreten.

So unerfüllend ein derzeitiger Zustand auch sein mag: Wenn es darum geht, ihn zu verlassen und Neuland zu betreten scheint er plötzlich gar nicht mehr so schlimm. Denn er ist zumindest bekannt und damit sicher. Und schon befinden wir uns in einer Relativierung und erzählen uns und anderen: „Ach, mein jetziger Job ist ja gar nicht so schlecht. Er ist zumindest besser als kein Job. Er hat zumindest diese und jene Vorteile“. Auch wenn es unterfordernd, langweilig, überfordernd oder Bauchschmerzen verursachend ist: Der gewohnte Zustand erscheint noch immer sicherer als das Neuland. Die Angst, ins Ungewisse zu steigen ist und unserem Ruf zu folgen spürt sich oft ähnlich an wie von einer Klippe ins kalte Wasser zu springen. Knieschlottern inklusive!

 

Was mir hilft: Bewusst das Abenteuer einzuladen. Es als kleine Mutprobe zu sehen. Meine Angst vor dem Sprung ins kalte Wasser mit FreundInnen teilen, und auch die Freude teilen wenn ich mich getraut habe zu springen. Und: Vertrauen in etwas, das größer ist als ich. Wenn ich spüre, dass mich etwas ruft, dann kommt dieser Ruf ja irgendwo her. Und wenn es mir gelingt zu vertrauen, dass die Quelle dieses Rufes eine gute ist und mich führt, dann muss ich mich nicht mehr an meinen Alltagstrott festklammern, sondern kann mich hingeben an das Vertrauen, gut geführt zu sein.

Die Angst vor Zurückweisung:

Gerade wenn wir in der Geschichte hängen, dass wir nicht genug sind haben wir Angst vor Zurückweisung. Die Anderen könnten ja merken, dass wir mangelhaft sind oder unsere Idee eine Schwachstelle hat. Aus Angst, dass die anderen uns darauf hinweisen, uns deswegen ablehnen oder schlecht über uns reden könnten, bleiben wir lieber zu Hause, unbemerkt, denn da machen wir uns zumindest nicht angreifbar.
Sichtbar zu werden mit dem, was uns zutiefst wichtig ist, bedeutet uns zu exponieren und uns verletzlich zu machen. „Lampenfieber hat nur, wer etwas wichtiges zu sagen hat“ habe ich einmal gehört. Gerade wenn wir etwas zu sagen haben, was wir wirklich wichtig finden, woran wir wirklich glauben und wofür wir wirklich brennen, fühlen wir uns oft am meisten angreifbar. Je mehr sie uns am Herzen liegen, desto schüchterner sind wir, sie auszusprechen und uns damit zu zeigen. Dort nehmen wir eine kritische Stimme besonders schnell persönlich. Harsche Kritik an einem Herzensanliegen tut viel mehr weh als kritische Stimmen zu einer Sache, die uns ohnehin nicht so wichtig ist… Und doch: Gerade dort, wo wir so viel Herzblut spüren, ist es wichtig, die Stimme zu erheben, aufzustehen und dafür zu gehen.

 

Was mir hilft: Mir bewusst zu machen, dass es bei dieser Sache nicht um mich geht. Sondern um die Sache. Um das, was da durch mich in die Welt drängt und geboren werden will. Und um die Menschen, für die es relevant ist, dass diese Sache in die Welt kommt. Auf diese Art kann das Ego in den Hintergrund treten und die Bahn freimachen für das, worum es eigentlich geht.

Die Angst davor, falsche Entscheidungen zu treffen

Sich für einen beruflichen Weg zu committen hat eine gewisse Ähnlichkeit damit, sich ganz für eine Liebesbeziehung zu entscheiden. Was, wenn ich jetzt ja sage und morgen ein Mann um die Ecke biegt, mit dem ich doch eigentlich zusammensein will? Die viel besungene „Fear of missing out“ ist eine der weit verbreitesten Ängste unserer Generation.

Barry Schwartz nennt es das „Paradox of Choice“, dass wir uns immer schwerer entscheiden können, je mehr Auswahl wir haben. Je größer die Auswahl an Joghurts im Supermarktregal, desto schwieriger fällt die Entscheidung welches Joghurt wir eigentlich wollen – Und desto schwieriger zufrieden und beständig zu sein mit einer einmal getroffenen Wahl.

Berufliche Entscheidungen zu treffen hat also eine gewisse Ähnlichkeit mit der Auswahl eines Joghurts und einer Beziehung. Was, wenn ich morgen merke dass es mir doch nicht schmeckt? Was, wenn an der Kasse alle auf mich zeigen weil ich mich doch für Kokos-Vanille statt Bio entschieden habe? Was, wenn ich morgen merke dass ich eigentlich auf das andere Geschlecht stehe? Was, wenn morgen das beste aller Besten Job-Angebote hereinschneit und ich dann nicht mehr „frei“ dafür bin? Was, wenn ich in fünf Jahren merke dass ich doch eigentlich etwas ganz anderes hätte machen wollen?

Das „what if…“-Spiel zu spielen ist jedenfalls die beste Möglichkeit, sich wahnsinnig zu machen anstatt eine klare, gute Entscheidung zu treffen. Sich Horrorszenarien auszumalen, was alles möglicherweise passieren könnte, ist ein Garant dafür, sich selbst zu blockieren und zu ertrinken im Sumpf der Überreflexion.

 

Was mir hilft: Um aus der Angst, eine falsche Entscheidung zu treffen auszusteigen hilft es mir, eine größere Perspektive einzunehmen. Etwa wenn ich mir die Lebensläufe älterer Menschen anschaue, die so viel unterschiedliches in ihrem Leben gemacht haben und mich ihr Leben daran erinnert, dass wir ja ohnehin so viel tun, sein und leben können. Dann merke ich, dass die ach-wie-große berufliche Entscheidung vielleicht gar nicht so über den Rest meines Lebens entscheidend ist, sondern ja ohnehin nur für einen Lebensabschnitt.

Und was mir außerdem hilft ist, mich an meiner inneren Weisheit, meiner Körperweisheit und meinem Ruf zu orientieren – Denn die haben mich noch nie getäuscht. Kopfentscheidungen dagegen sehrwohl.

Und was würdest DU tun, wenn es dir gelingen würde, deine Ängste zu überwinden und deinem eigenen Ruf zu folgen?

Finde es raus. Setze es um.
Berufsnaviagtions-Coachings helfen dir dabei.

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