Berufsnavigation als Heldinnenreise. Ein Orientierungsrahmen

Wenn etwas Neues anklopft und eine bisherige Lebensphase zu Ende geht erleben viele Menschen es als eine Zeit voller Verwirrung, Haltlosigkeit und Überforderung. Berufliche Neuorientierung ist eine solche Zeit. „Wer bin ich? Was will ich? Was ist mein Beitrag?“ und andere essentielle Fragen tauchen auf und wollen beantwortet werden. Gerade in solcher Zeit ist es wertvoll, Orientierungsrahmen zu haben, innerhalb derer wir uns verorten können. Dann merken wir plötzlich dass das, was wir da durchleben kein willkürlicher Schleudergang ist – Sondern eine klare Abfolge von Stationen, Themen und Lernaufgaben. Und wenn wir in diese Stationen nicht ohne Vorwarnung hereinstolpern, sondern sie bewusst durchleben,  dann können wir das Abenteuer Berufsorientierung als das durchleben, was es eigentlich ist: (D)Eine HeldInnenreise. 

 

Ein Orientierungsrahmen für wandelnde Zeiten

Eigentlich passt ja alles. Doch du spürst dass da noch etwas auf dich wartet und danach drängt, gelebt zu werden. Etwas klopft an. Du spürst dass dich etwas ruft. Also machst du dich auf, um diesem Ruf zu folgen. Wesentliche Fragen tauchen auf: Wer bin ich? Was will ich, wirklich? Auf wen kann ich mich verlassen auf dieser Reise? Wer ist mein Tribe? Was sind meine Gaben, und wie bringe ich sie in die Welt? Du setzt Schritte, schmiedest Pläne, tastest dich vorwärts. Du stolperst, zweifelst, du schaffst es mit manchen Hindernissen umzugehen, mit anderen nicht. Bestimmte Menschen tauchen auf – Manche schwächen und verunsichern dich, andere bestärken dich und verhelfen dir, Schwellen zu überqueren die es zu überwinden gilt. Du entdeckst ungeahnte Ressourcen, du entdeckst dich selbst neu, manchmal spürt es sich an als würdest du verschluckt werden und verwandelt wieder ausgespuckt. Und erst rückblickend verstehst du, dass es all das gebraucht hat, damit du deinen Beitrag entdeckst, entfaltest und in die Welt bringst.

Willkommen in der Zeit beruflicher Neuorientierung. Was sich anfühlt wie ein Schleudergang ist im Grunde eine klare Abfolge bestimmter Stationen. Wenn wir ohne Vorwarnung in diese Stationen stolpern, so kann uns dies ganz schön strudeln. Machen wir uns aber bewusst, welche Phasen es dabei zu durchlaufen gibt, welche Chancen und Herausforderungen sie bieten und was die Medizin der einzelnen Stationen ist, so kann sich berufliche Umorientierung nach einer wunderbar lustvollen abenteuerlichen Reise anspüren.

Mit der HeldInnenreise schlage ich einen solchen Orientierungsrahmen vor, an dem Menschen, die sich gerade von einer Lebensphase in die nächste bewegen, anhalten und orientieren können.

 

Die HeldInnenreise. Ein Monomythos. Was ist das überhaupt?

Der US-amerikanische Soziologe Joseph Campbell (1904-1987) erforschte zahlreiche Mythen und Märchen rund um den Globus, und fand dabei heraus, dass in all diesen Mythen eine bestimmte Struktur inhärent ist. In den unzähligen Märchen und Mythen die Campbell untersucht hat sind es immer wieder die selben Stationen, Herausforderungen und Lernfelder, die die Hauptfigur durchläuft. Joseph Campbell spricht daher von einem Monomythos; er nennt die Abfolge die „Heldenreise“. Hollywood-RegisseurInnen und BuchautorInnen bedienen sich dieser Struktur, um ihre Geschichten zu einer Erfolgsgeschichte zu machen. Auch in der Berufsorientierung lohnt es sich, diese Struktur zu kennen und zu berücksichtigen. Denn die Herausforderungen, Gefahren, Chancen und Stationen dieses Monomythos treten nicht nur in Mythen, Filmen und Büchern auf. Sondern auch im ganz realen Leben von Menschen auf (beruflicher) Orientierungssuche.

Es ist nicht zufällig, dass diese einheitliche Struktur auch genau den Stationen entspricht, die wir durchlaufen, wenn wir in (beruflicher) Neuorientierung sind und wenn wir uns aufmachen, dem eigenen Ruf zu folgen. Schließlich ist es ja eine wesentliche Funktion von Märchen und Mythen, Lernimpulse und Weisheiten für das echte Leben zu geben. So lohnt es sich also, die einzelnen Stationen dieser HeldInnenreise einmal genauer anzuschauen. Denn wenn wir die Stationen kennen und bewusst durchlaufen, so ist es leichter die darin liegenden Schätze zu heben und die Herausforderungen als Lernfelder zu nutzen. Doch wenn wir ohne Vorwarnung in diese einzelnen Stationen geraten, so kann uns das ganz schön schleudern.

In meiner Arbeit als Coach und Trainerin für Berufsorientierung erlebe ich immer wieder, wie sehr es Menschen schleudern kann, wenn sie sich im Übergang von einer Lebensphase in die nächste, von einer beruflichen Identität in die nächste befinden. Ich habe die Erfahrung gemacht dass es Menschen sehr viel weniger schleudert, wenn sie sich bewusst machen, welche Stationen und Themen da eigentlich auf sie zukommen, und vor allem in welcher Station sie sich gerade befinden. Denn selbst wenn es eine so stürmische Station ist wie der Bauch des Walfisches: Wenn wir uns bewusst machen, dass es eine Station ist, dann ist es auch leichter, sich darauf einzulassen und dankbar die Lektionen zu lernen, die es dort zu lernen gibt – anstatt das zu bekämpfen, was jetzt gerade ist.

Mit der folgenden Artikelreihe stelle ich die HeldInnenreise als einen Orientierungsrahmen vor für Menschen die sich aufmachen, dem eigenen Ruf zu folgen. Ein Orientierungsrahmen, der hoffentlich hilft durch diese abenteuerliche Zeit zu navigieren – Und die Reise zu genießen.

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